Die Fusion


Argumente für die Fusion von MTV und Eintracht Celle hat der designierte Präsident Jan Prass einmal mit dem Schlüssel-Schloss-Prinzip erklärt. Der eine Verein bietet an, was der andere nicht hat und umgekehrt. Das sich beide heute so gut ergänzen hangt damit zusammen, dass sie auf völlig unterschiedliche Historien zurück blicken.

 

Als der SV-Eintracht von 1910 gegründet wurde, war der Männer-Turn-Verein schon 63 Jahre alt . Waren die Fußballer bein Eintracht Gründungsväter des Vereins, wurden sie beim MTV nur gegen zähe Widerstände überhaupt aufgenommen. Der Mtv Zählt zu den drei Vereinen Niedersachsens, die vor dem Revolutionsjahr 1848 gegründet wurden. Er entstand aus der Turnbewegung des 19. Jahrhunderts, die neben der Körperertüchtigung auch politische Ziele wie die Einheit Deutschlands propagierten. Seine erste Turnstunde hielt der MTV am 24.September 1847 ab. In den Vereinsgesetzen aus dem Jahr 1861 heißt es : „Zwecke des Vereins. § 1. Der Männer-Turn-Verein will zunächst die Ausbildung und Kräftigung des Körpers und bezeichnete die Turn- , Fechten und Singübungen als Mittel dazu“. Zwar wurde die Singabteilung 1864 wegen zu geringer Beteiligung wider geschlossen, das Wachstum des Vereins dadurch aber nicht gebremst.


Bis heute ist der Mtv der anteilungs- und mitgliederstärkste Verein Celles, der sich insbesondere dem Breitensport verpflichtet fühlt. Deshalb kann im MTV neben Fußball oder Handball auch Rollhockey und Rugby gespielt werden, gibt es neben Turnern und Leichtathleten , Folklore- und Jazzdance-Gruppen. Rund 3100 Mitglieder verteilen sich vor der Fusion auf 13 verschiedene Fachabteilungen. Die Sportvereinigung Eintracht von 1910 hat stets auf wenige Kernsportarten gesetzt. 1925 wurde die Hockey-Abteilung, zwei Jahre später die Tennisabteilung gegründet. Zwei Angebote, die der MTV nicht in seinem Programm hat. Dazwischen lag 1926 die Einweihung des in vierjähriger Arbeit entstandenen eigenen Sportplatzes am Neustädter Holz. 1945 folgte die Handball-Abteilung, die das erste Spiel in der Handball-Hochburg Celle nach dem 2. Weltkrieg bestritt und unabhängig von der Fusion längst mit MTV und Post SV zusammen spielt.

Überhaupt war Eintracht der erste Celler Verein, der in dieser Zeit von der alliierten Militärregierung die Erlaubnis erhielt, wieder unter seinem alten Namen Sport treiben lassen zu dürfen. Heute hat Eintracht rund 850 Mitglieder in sechs Sparten. Zur Tradition des SVE’s gehört, dass die Fachabteilungen weitgehende Autonomie als „Verein im Verein“ besaßen. Der MTV ist nach seiner Strukturreform 1987 wesentlich zentralistischer organisiert.


Beide Vereine schmücken ihre Chroniken mit bundesweit beachteten Erfolgen. Eintrachts Tennis-Mannschaft spielte jahrelang in der höchsten deutschen Spielklasse. Die Hockey-Herren stiegen 1983 in die Hallenbundesliga auf, was den MTV-Volleyballern nach mehreren deutschen Junioren-Meistertiteln 1969, 1982 und 1984 gelang.

Nach der Fertigstellung des Kunstrasenplatzes 1992 fanden auf Eintrachts Hockey-Anlage gleich mehrere Länderspiele statt: Die Männer-Nationalmannschaft spielte 1993 gegen England und 1994 gegen Pakistan, die Damen 1995 gegen Australien. Hand- und Volleyball-Abteilung des MTV hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die chinesische Frauen-Nationalmannschaft (Volleyball) und Europapokalgewinner wie Dukla Prag (Volleyball/Handball) oder SKA Minsk (Handball) nach Celle eingeladen. Seit 1983 organisieren MTV-Leichtathleten jedes Jahr im März den Celler Wasa-Lauf, einen der größten und bekanntesten Volksläufe in Deutschland.


Auch im Individualsport brachten beide Vereine namhafte Titelsammler hervor. Fechterin Astrid Berndt war in den 50er-Jahren national wie international erfolgreich. Auch die Vize-Weltmeisterin im Judo, Anja von Rekrowski, begann ihre Laufbahn beim MTV. Genau wie Silke Knoll, als Mittelstrecken-Läuferin bei Olympischen Spielen. Bei Eintracht sei stellvertretend Leslie-Ellen Lanz genannt, die im Teakwon-Doe mehrfach Deutsche Meisterin und aktuelle Militär-Weltmeisterin ist, sowie Nadine Ernsting-Krienke, die Gold- und Silbermedaillen Gewinnerin der Spiele in Athen und Barcelona. Auch sie hat neben vielen anderen das Hockeyspielen in Celle erlernt.